Rotkäppchen
Kassandra Obwegeser 

umgeschnitten · zugenäht

Es war einmal eine kleine süße Dirn. Zudem war da noch der Wolf, der Jäger sowie ihre Großmutter – ihre Mutter vergessen wir an dieser Stelle, da sie zum Ablauf der Geschichte nichts beigetragen hat. Im Wald traf das Mädchen den Wolf, erzählte ihm detailreich, wo ihre kranke Großmutter lebte und ging anschließend Blumen pflücken. Sie kam spät bei der Großmutter an und wurde, nachdem er schon die Großmutter verspeist hatte, ebenfalls gefressen. Der Wolf schlief ein und schnarchte laut, auf dass es den zufällig vorbei spazierenden Jäger verwunderte. Jener drang in das Haus ein und befreite die beiden Damen. Bald darauf fiel sich der Wolf auf eine tragisch-brutale Art – mit Steinen in den Bauch gefüllt – zu Tode, weshalb Jäger, Großmutter und Rotkäppchen wieder vergnügt waren.

Diese skurrile sexuell angehauchte Opfer-Täter-Welt verlangte nach einer ebenso grotesken Darstellungsform. Es entstanden fünf Fotocollagen, die in der Kombination mit eigenen Illustrationen kleine Welten  formen. Abgebildet sind einzelne Sätze des ursprünglichen Märchens der Gebrüder Grimm, welches wie ein Bühnenstück behandelt wurde. Da das Märchen selbst nicht real ist, wurde für die Collagen eher weniger Reales – wie zum Beispiel Tierpräparate oder Plastikbüsche – verwendet.

„Guten Tag, Rotkäppchen.” 
„Schön‘ Dank, Wolf.”
Rotkäppchen aber holte große schwere Steine, damit füllten sie dem Wolf den Leib.
Dann kam die Grossmutter auch lebendig heraus.
Dann nahm er ihre Kleider, tat sie an, setzte sich ihre Haube auf, legte sich in ihr Bett und zog die Vorhänge vor.
Da waren alle drei vergnügt.
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Rotkäppchen