"Orientierung braucht Unterstützung"
Nachbericht von openidea mit Heike Nehl — Heike Nehl —

Vortrag

Zeit: Dienstag, 19.04.2016 19:00 Uhr
Ort: FH Vorarlberg, Campus V, Achstrasse 1, 6850 Dornbirn, Raum: Aula

"Orientierung braucht Unterstützung"

Das ist das Fazit aus dem Vortrag der renommierten Berliner Designerin Heike Nehl an der Fachhochschule Vorarlberg. Ihre Agentur Moniteurs zählt zu den erfolgreichsten im Bereich des Designs von komplexen Leitsystemen.

Die Leitlinie der Werkschau bildeten die Begriffe "workspace, open space, public space, virtual space und global space". Aus diesen fünf Bereichen stellte Heike Nehl Beispiele erfolgreicher Gestaltung vor, die Voraussetzung dafür ist, dass sich die BenutzerInnen der Räume nicht orientierungslos verlieren, sondern dort ankommen, wo sie hin wollen.
 
Gestaltungsprozess
Die Ergebnisse von Leitsystem-Entwicklungen unterscheiden sich deutlich. Die Vorgehensweise ist jedoch immer bis ins Detail geplant. Grundlage bildet ein in den 22 Jahren des Bestehens von Montieurs entwickelter detaillierter, strukturierter Prozess. Die Erfahrungen aus jedem Projekt fließen in diesen dynamischen Prozess mit ein, an dessen Beginn in der Regel eine Ausschreibung oder eine Einladung zu einem geladenen Wettbewerb steht.
 
Benutzer im Zentrum
Damit ein Leitsystem funktioniert, muss es bei den Erfahrungen, Erwartungen und Gewohnheiten der BenutzerInnen ansetzen. Diese Gewohnheiten folgen keinen absoluten Regeln. Vor der Gestaltung des Leitsystems für das Märkische Viertel in Berlin wurden deshalb Bewohner befragt, welches Bild sie vom Stadtteil hätten. Für die Entwicklung eines neuen "Stadt-Bildes" komme der Landkarte eine wichtige Bedeutung zu. Während es früher in der Kartographie Individualität und Pluralität gegeben habe, herrsche heute allerdings das Google-Monopol, sagt Nehl.
 
Identität
Moniteurs haben die Leitsysteme von 10 internationalen Städten untersucht. Einige wichtige Parameter der Analyse waren Organisation, Vandalismus, grafische Gestaltung, die Schilderfamilie und Typographie. Die Schlussfolgerung daraus: Die Identität ist ein entscheidender Faktor, ob ein System funktioniert oder nicht. Solche Erkenntnisse fließen dann in große Projekte ein, z.B. beim neuen Flughafen Berlin Brandenburg, der nun 2017 eröffnet werden soll, beim Deutschen Museum in München, beim FIZ Technologiezentrum von BMW in München oder bei der Kunsthalle Mannheim.
 
Piktogramme
Typografie, Farben, fremdsprachliche Kennzeichnungen und vor allem Piktogramme sind weitere prägende visuellen Faktoren von Leitsystemen.
Bei Piktogrammen gibt es zahlreiche Normierungen, die zu beachten sind. Nehl plädiert dennoch für einen freien Umgang, denn auch die jeweiligen kulturellen Prägungen sind entscheidend für das Funktionieren. "Ein Taxi in London schaut nun einmal anders aus als eines in Berlin." Wenn es denn eine gäbe: Die Erfolgsformel für die Gestaltung von Leitsystemen nennt Nehl nicht. Aber "User Centered Orientation and Identity" ist eine der wohl wichtigsten Voraussetzungen dafür, dass ein Leitsystem funktioniert.

Text: uhe / Fotos: egr
 
Heike Nehl ist Geschäftsführerin des 1994 gegründeten Designbüros Moniteurs aus Berlin, das auf Projekte im Bereich Informationsdesign fokussiert ist (z.B. Stadtleitsystem Quartier Potsdamer Platz, Berlin; Leitsystem BMW Werk Leipzig).

Sie studierte Visuelle Kommunikation an der Fachhochschule Bielefeld. Sie war bei MetaDesign in Berlin als Designerin tätig und im Rahmen eines Auslandsaufenthalts in den USA bei Meta West in San Francisco. Neben ihrer Tätigkeit als geschäftsführende Gesellschafterin bei Moniteurs lehrt sie an Hochschulen in Köln, Berlin, Weimar und Hangzhou (China). http://www.moniteurs.de/

Bilder vom Vortrag

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