Läßt sich Zufall planen?
Nachbericht zu open idea mit Ulli Krieg — Ulli Krieg —

Zeit: Mittwoch, 09.03.2016 19:00 Uhr bis Mittwoch, 09.03.2016 21:00 Uhr
Ort: Aula / FHV

Ohne Planung kein Zufall

Das ist die Antwort der Hamburger Designerin Ulli Krieg auf die Frage, ob sich der Zufall planen lasse.

In der Reihe Open Idea sprach die mit zahlreichen internationalen Preisen ausgezeichnete Designerin vor Studierenden und Interessierten aus der Kommunikationsbranche an der FH Vorarlberg und gab einen Einblick in drei große TV-Design-Projekte, für die ARD, Arte und den WDR.
 
"Bei großen Designprojekten ist der Begriff Planung allerdings inhaltlich anders besetzt als landläufig gemeint", stellt Ulli Krieg fest. Hier sei die Veränderung der Planungsgrundlagen im Verlauf des Projektes die Regel und nicht die Ausnahme, Gestaltung sei deshalb nicht als Ergebnis, sondern als Prozess zu sehen.
 
Design beeinflusst Inhalt
Das Redesign der ARD Tagesschau hat sechs Jahre lang gedauert und sich nicht nur auf das Sendungsdesign beschränkt, sondern auch Inhalte, redaktionelle Abläufe und die Studioproduktion stark beeinflusst. "Wenn ein Wort nur zehn Zeichen lang sein darf, dann muss man kurze Wörter finden”, lautet eine ihrer provokanten Aussagen und meint damit, dass die Fernsehredaktion aufgrund des Designs zu kurzen und verständlichen Formulierungen gezwungen wird.
 
Den Kunden mögen
Beim Sendungsdesign von Arte ging es darum, für zwei völlig verschiedene Kulturen, die französische und die deutsche, eine gemeinsame Identität zu schaffen. Auch hier setzt der Designprozess auf Veränderungen bei den Mitarbeitern an. Voraussetzung dafür ist, dass die Designerin nicht nur das Produkt, sondern auch die Kunden gut kennen müsse. "Trotz professioneller Distanz muss man den Kunden mögen", bringt es Krieg auf den Punkt.
 
Abgrenzung
Auch beim WDR, einer der größten Sender Europas, war die Entwicklung des Corporate Designs ein mehrere Jahre langes, bis heute andauerndes Projekt. Obwohl das Pflichtenheft die Übernahme des alten Logos vorgeschrieben hatte, setzte Ulli Krieg eine Neugestaltung durch. "Sonst hätten wir den Auftrag nicht gemacht." Es sei wichtig, zu den gut begründeten und argumentierten Überzeugungen zu stehen und besser, etwas nicht zu machen, als sich zu verbiegen. Beim WDR geben ihr sowohl der Auftraggeber als auch der Erfolg recht.
 
Zurück zur Frage nach dem Zufall: Fachkenntnis, Menschenkenntnis, gutes Projektmanagement, Liebe zum Detail, Beharrlichkeit, Ausdauer und Erfahrung sind sechs wichtige Voraussetzungen dafür, dass sich der Zufall einstellt. "Dies sind Tugenden, die Gestalterinnen mindestens ebenso drauf haben, wie die männlichen Kollegen", macht Ulli Krieg den Studentinnen Mut. Zwar seien Gestaltung und Medienmanagement derzeit eine Männerdomäne, "aber das müsse ja nicht so bleiben."
 
Text: uhe
 
Facts
Ulli Krieg
www.ukccmember.com
1996 Kreativdirektorin ARD
2000 Leiterin DMC Standort Deutschland, Hamburg und München
2008 UKCC, Ulli Krieg Creative Consulting GmbH Schweiz
2012 UKCC GmbH, Deutschland in Hamburg
 
Studien: Lehramt und Design