Braucht Gestaltung Mut?
Nachbericht zum Vortrag von Eike König — Eike König —

Vortrag

Zeit: Dienstag, 31.05.2016 19:00 Uhr
Ort: designforum Vorarlberg

"Gestaltung muss immer eine Haltung und eine erzieherische Funktion haben."

Eike König, ein Freigeist und Rebell der internationalen Gestaltungsszene, der seine Designprozesse nach diesem Grundsatz lebt, besuchte den Studiengang Intermedia in Zuge der Vortragsreihe openideas.

Der Gründer des Büros für visuelle Kommunikation namens Hort in Berlin nahm sich einen Nachmittag Zeit, um mit Studierenden über ihre laufenden Projekte zu diskutieren. Dabei gab er den werdenden jungen Gestalterinnen auf seine sehr lockere und ehrliche Art und Weise hilfreiches Feedback. Wenn man Nike, Microsoft oder auch das MoMa (Museum of Modern Art in New York) zu seinen Kunden zählen kann, dann kann man den Studierenden dabei helfen, den Blick über den Tellerrand zu wagen.

Bei einem gut besuchten und unterhaltsamen Vortrag im designforum Vorarlberg gab er am Abend Einblicke in seine hochinteressante Arbeitweise und sein Tun. Die flache Hierarchie in seinem Büro Hort selbst steht dabei an erster Stelle. Jede(r) Gestalter(in) verdient gleich viel und jede(r) hat das gleiche Mitentscheidungsrecht im Designprozess und es gibt transparente Budgets. Das „Walker Art Center“ hat den Hort als eines der furchtlosesten Designstudios Europas bezeichnet. Nach mehr als zwei Jahrzehnten sind die Arbeiten des Horts zum einen ausgelassen, aber gleichzeitig auch zu konzeptuellen Systemen geworden. "Ich versuche immer mit Leuten zu arbeiten, die besser sind als ich", sagt Eike König und erzählt, dass in den 22 Jahren Hort schon mehr als 80 hervorragende Gestalterinnen an verschiedensten Projekten mitgearbeitet haben.

Der Schwerpunkt seines Vortrages beschäftigte sich jedoch mit Kommunikations- und Entscheidungsprozessen mit den unterschiedlichsten Kunden. Bei großen Projekten, die manchmal über mehrere Monate bzw. Jahre gehen ist es sehr wichtig den Kunden "an die Hand zu nehmen" und ihn, trotz unterschiedlichsten Bedürfnissen, so gut wie möglich in die eigene gestalterische Haltung mit ein zu beziehen. Gerade dann wenn die Marketingleiter aus Dinosaurierzeiten kommen, müssen eben die Gestalterinnen quasi eine erzieherische Funktion übernehmen. Er würde sich sehr wünschen, dass Entscheidungsträger, egal ob aus Wirtschaft, Kunst oder Öffentlichkeit immer auch Gestaltungskompetenzen haben sollten.

Das Berufsbild der Gestalter hat sich seiner Meinung nach in den letzten Jahren radikalst verändert und wird dies auch noch weiterhin tun. Gestalterinnen sollten aufkommende Technologien immer im Auge behalten und sie sind nicht per se schlimm. Das Gestalten mit den Händen wird immer mehr vom Gestalten mit Hirn abgelöst werden. Design thinking ist dabei das Stichwort der Zukunft. Die Entwicklung und das Kommunizeren von neuen Sozial- oder Geschäftsmodellen wird wichtiger sein als das visualisierte Ergebnis.

Text: egr / Fotos: Alexander Duelli   

http://www.hort.org.uk/

Bilder vom Besuch & Vortrag

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